Landschaften/Stadtlandschaften Mallorca

Steinbachs Mallorca-Serie geht auf die Erfahrung der Diskrepanz zwischen zwei Zuständen Mallorcas zurück: als Ferienparadies und als Insel jenseits der Saison. Steinbach greift die Leere der Stadt so auf, dass sie über unterschiedliche, in ihrer Deutlichkeit abgestufte Verweise, als Spiegel der abwesenden Fülle und Überfülle erscheint. Mitunter gibt die Leere aber auch Aspekte der Orte frei, in denen sich eine gewisse Selbstbezogenheit als Anderes zur touristischen Nutzung andeutet. Die Menschenleere auf Steinbachs Bildern ruft den abwesenden Tourismus also einmal über die Gegenwart seiner Rückseite und einmal über die Möglichkeit seiner Verneinung auf. Aus dieser logischen Differenz ergibt sich als zentrale Operation der Serie das, was man einen Doppelblick nennen könnte. Er besteht kurz gesagt darin, dass die strukturale Logik des Bildes in einem Maße auf die Ansichten der Stadt angewendet wird, dass diese künstlich erscheinen. Dabei wird merklich, dass die Fotografie als Bildgattung immer noch auf das verweist, was ihr vorgegeben ist, und zwar umso stärker, je weiter sie sich vom Vorgefundenen durch das Netz von Strukturbezügen zu entfernen scheint. Über die aufgefasste Struktur begegnet die Künstlichkeit, das Objektfremde also nicht mehr nur als Charakter der Darstellung, sondern auch des Dargestellten selbst. Die Fremdheit, in der Mallorca sich anders zeigt, als erwartet, wird auf diese Weise zur Wahrheit des Gesehenen. Denn nur falsche Bilder können sichtbar machen, was wirklich da ist. Die Haltung, mit der Steinbach diesem Rätsel auf der Spur ist, prägt sich in den Mallorca-Bildern als eine Art konzentrierter Leerlauf aus: im Forscherblick ohne Forschung, als Road-Movie ohne Abfahrt oder Auftritt ohne Schauspieler.

 

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